10 Fragen der Rheinischen Post an die Bürgermeisterkandidatin

Bitte stellen Sie sich doch kurz vor. Wer sind Sie – und was macht Sie aus?

Mein Name ist Patricia Gerlings-Hellmanns, ich bin Jahrgang 1977, aufgewachsen in Kerken-Rahm und wohne mit meiner Familie in Aldekerk.

Seit 2013 bin ich Mitglied der Bürgervereinigung Kerken, seit 2014 deren Vorsitzende. Seit 2014 engagiere ich mich im Gemeinderat und in verschiedenen Ausschüssen. Durch Vereinsvorsitz, Ratsarbeit und Erziehung von fünf Kindern sind Diskussion, Interessenausgleich und das Finden von Lösungen für mich alltäglich und die Übernahme von Verantwortung  nicht fremd. Meine Fähigkeiten setze ich seit vielen Jahren auch ehrenamtlich in verschiedenen Gremien in Kindergarten und Schule, u. a. im Kreiselternbeirat ein. Mein Motto lautet ”Mitgestalten und mitreden, statt nur zu meckern!“

Was ist Ihr wichtigstes Thema im Wahlkampf – und wie wollen Sie es anpacken?

Die Kerkener*innen werden zu wenig in wichtige und große Projekte einbezogen. Die Möglichkeiten zur Mitbestimmung im Rahmen von Wahlen alle fünf Jahre und zur Stellung von drei Fragen zu Beginn von Rats- und Ausschusssitzungen reichen nicht aus. Wir benötigen persönliche und digitale Möglichkeiten, um Bürger*innen aller Altersstufen anzusprechen und zur Mitgestaltung und Meinungsäußerung anzuspornen.

Für mehr Transparenz befürworte ich die Videoübertragung von Rats- und Ausschusssitzungen. Dies würde es ermöglichen, sich jederzeit und von jedem Ort aus über die Diskussionen und Entscheidungen in Ausschüssen und im Rat zu informieren. Wichtige Entscheidungen, die alle betreffen, dürfen nicht "im stillen Kämmerlein" getroffen werden.

Aus welchem Fehler haben Sie schon einmal gelernt?

Fehler gehören zum Leben dazu und ich habe wie allen Menschen bestimmt viele gemacht. Denn wo gehobelt wird, fallen bekanntlich Späne.

Letztendlich haben auch die Erfahrungen aus Fehlern mich zu der Person gemacht, die ich bin.

Sehen Sie Möglichkeiten, dem ÖPNV in Kerken neue Impulse zu geben?

Ich möchte die Außenbezirke stärker einbinden, die ÖPNV-Anbindung an die Ortskerne ist noch verbesserungsbedürftig.

Durch einen Bürgerbus würde man den Bürger*innen auch ohne eigenen PKW ermöglichen, unproblematisch ihren Erledigungen nachzukommen. Bei den zwei gut frequentierten Pendlerbahnhöfen setze ich mich für eine Erweiterung der überdachten Fahrradabstellplätze, mehr abschließbare Fahrradboxen und Lademöglichkeiten für E-Bikes und Elektroautos ein, der Bedarf ist vorhanden.

Wie wollen Sie bezahlbares Wohnen in Kerken ermöglichen? Braucht sie Verdichtung im Inneren oder die Erschließung neuer Wohngebiete?

Ich halte es für sinnvoll, Baulücken im Inneren in einer der Umgebung angepassten Bauweise zu nutzen, alte Bausubstanz zu stärken und die Ortskerne entsprechend zu verdichten.

Zur Deckung des Wohraumbedarfs werden zusätzlich Neubaugebiete benötigt. Hier möchte ich prüfen, ob die Gründung einer eigenen Grundstückserschließungsgesellschaft durch die Gemeinde eine Möglichkeit wäre, Wohneigentum in Neubaugebieten günstiger anzubieten. Da für private Investoren die Schaffung günstiger Mietwohnungen eher unattraktiv ist, sollte die Gemeinde zusätzlich über die genossenschaftliche GWS, an der sie beteiligt ist, selbst bezahlbaren Mietwohnraum schaffen.

Wie beurteilen Sie die Infrastruktur in Kerken, auch digital – und wie wollen Sie dieses Thema vorantreiben?

In beiden Ortskernen gibt es immer weniger Einzelhandelsgeschäfte. Hier sollte für beide Ortskerne ein attraktives Konzept zur Ansiedlung weiteren Gewerbes entwickelt werden.

Bei der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum für Radfahrer, Nutzer mobiler Gehhilfen, von Seniorenmobilen, Rollstühlen und Kinderwagen sehe ich deutlichen Verbesserungsbedarf. Die Gemeinde hat mit der Möglichkeit, Glasfaseranschlüsse zu nutzen, gute Voraussetzungen für den weiteren Ausbau der digitalen Infrastruktur. Neben einem flächendeckenden freien WLAN-Netz ist für mich die Schaffung eines digitalen Bürgerservices ein zentrales Thema.

Viele junge Familien beschäftigt erheblich, ob ihr Kind einen guten Kita-Platz bekommt – und wie es danach auf den Schulen weitergeht. Was macht die Gemeinde Kerken da schon richtig – und wo muss dringend nachgebessert werden?

Für dieses Thema engagiere ich mich in verschiedenen Funktionen schon seit Jahren und inzwischen ist die Gemeinde mit einem guten Betreuungsangebot in der Tagespflege und den Kindergärten, mit zwei modern ausgestatteten Grundschulen und der Gesamtschule gut aufgestellt.

Dringend erforderlich sind allerdings eine zügige bauliche Sanierung der beiden Grundschulen, insbesondere der Toilettenanlagen und ein umfassender Einstieg in die Digitalisierung der Schulen unter Nutzung der dafür zur Verfügung stehenden Fördermittel. Dies hat nicht zuletzt die Corona-Krise gezeigt.

Sie werden auch die Bürgermeisterin sein, die die Kommune aus der Corona Krise führt. Der Bereich Finanzen und Investitionen spielt da eine wesentliche Rolle – zumal viele öffentliche Kassen eh nicht sprudeln.

Die genauen Auswirkungen der Corona-Krise auf den Kerkener Haushalt sind derzeit noch unklar. Einbrüche bei den Einnahmen wegen sinkenden Steueraufkommens werden vermutlich teilweise kompensiert durch zusätzliche Mittel von Bund und Land. Wieviel Spielraum für Ausgaben der Gemeinde nach Abzug der gesetzlich verpflichtenden Ausgaben letztendlich bleibt, lässt sich heute nicht sagen.

Ich setze mich aber dafür ein, dass Investitionen, die Kerkens Zukunftsfähigkeit stärken (Integriertes Handlungskonzept, Digitalisierung der Schulen etc.) in jedem Fall weiterhin erfolgen. Jede geplante Ausgabe muss jetzt noch genauer geprüft werden.

Wie kann man die ärztliche Versorgung in der Gemeinde sichern?

Bei der Ansiedlung von Ärzten handelt es sich meiner Ansicht nach um privatwirtschaftliche Entscheidungen in Abstimmung mit der Kassenärztlichen Vereinigung. Die Gemeinde hat für mich die Aufgabe, im Austausch mit der Ärzteschaft Bedarfe zu erkennen und bei ansiedlungswilligen Ärzten um den Standort Kerken zu werben.

Hierzu gehören z. B. Vorschläge und Ausweis geeigneter Standorte mit entsprechender Anbindung an den ÖPNV und ausreichendem Parkraum in der Bebauungsplanung, die aktive Unterstützung bei der Einholung erforderlicher Genehmigungen und das Zusammenbringen von Interessenten und Investoren im Rahmen eines runden Tisches.

Muss man mehr zur Förderung des Ehrenamtes tun?

Ja, denn viele Menschen würden sich gerne engagieren, wissen aber nicht, wo das möglich ist. Um Bedarf und Nachfrage nach ehrenamtlichem Engagement zusammenzubringen, setze ich mich für die Einrichtung einer Ehrenamtsbörse als Vermittlungsstelle ein. Die Gemeinde kann hier die analoge und digitale Infrastruktur zur Verfügung stellen und Ehrenamtliche suchen, die die Ehrenamtsbörse dann betreiben.

Außerdem sollten wir die Ehrenamtskarte der Gemeinde, die Ehrenamtlichen diverse Vergünstigungen bietet, endlich aktiv bewerben – viele wissen gar nicht, dass es sie überhaupt gibt.